Blumat Classic oder Tropf-Blumat: welches System passt?

Zwei Bewässerungssysteme derselben österreichischen Marke, beide mit demselben Tonkegel als Herzstück, beide ohne Strom, Batterie und Pumpe. Trotzdem sind es zwei völlig verschiedene Geräte: Das eine steckt allein im Topf und zieht sein Wasser aus einem Glas daneben, das andere hängt an einem Schlauchnetz mit einem Tank als Quelle.
Wer erst noch grundsätzlich sortiert, welche Bauart zum eigenen Bestand passt, liest den Überblick zu Bewässerungssystemen für Topfpflanzen. Hier stehen die beiden Blumat-Baureihen mit ihren Datenblättern nebeneinander.
- Classic, wenn es um drei bis sechs Zimmerpflanzen gehtKegel rein, Röhrchen ins Wasserglas, in einer Viertelstunde fertig, kein Schlauch im Wohnzimmer
- Tropf-Blumat, wenn zwölf Pflanzen auf dem Balkon oder im Gewächshaus stehenein Tank statt zwölf Gläser, rund sieben Meter Schlauch und ein Regelknopf je Pflanze
- Beiderein physikalisch, ohne Strom und ohne Zeitschaltuhr, der Tonkegel öffnet erst, wenn die Erde trocken wird
Die zwei Kandidaten
Blumat Classic
Drei Kegel, jedes Gefäß als Reservoir
Tropf-Blumat Medium Box
Zwölf Pflanzen an einem Tank
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Blumat Classic | Tropf-Blumat Medium Box |
|---|---|---|
| Pflanzen je Set | 3 | bis 12 |
| Wasserquelle | jedes Gefäß neben dem Topf | Tank oder Behälter mit Höhenversatz |
| Wasserabgabe | ca. 75 ml / 24 h, XL ca. 125 ml | je Tropfer am Knopf regelbar |
| Schlauch zu verlegen | entfällt | rund 7 m |
| Höhenunterschied nötig | nein | ja, siehe Herstellerhinweis |
| Aufbauzeit | rund 15 Minuten | keine Angabe |
| Strom, Batterie, Pumpe | keine | keine |
| Erweiterbar | nur durch weitere Sets | modular mit Tropfern und Schlauch |
| Keramikfertigung | keine Angabe | Österreich |
| Einsatz außen | ja | ja, ausdrücklich für Hochbeet und Gewächshaus |
| Regelung je Pflanze | über die Höhe des Reservoirs | verstellbarer Knopf am Tropfer |
| Modell | 10308 | IG14604 |
Werte nach den Herstellerangaben zu beiden Blumat-Baureihen. Der Hinweis zum nötigen Höhenunterschied stammt aus der Beschreibung der Tropf-Blumat-Komplettsets desselben Herstellers, weil ihn das Datenblatt der Medium Box nicht beziffert. Die Angabe zur Schlauchlänge ist die Maßangabe des Sets. Die hervorgehobene Zelle ist der bessere Wert, nicht automatisch der wichtigere. Eine fehlende Angabe zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Wie lange ein Wasserglas wirklich reicht
Die Rechnung mit den 75 Millilitern
Ein Kegel gibt in 24 Stunden rund 75 Milliliter ab, die große Ausführung rund 125. Aus einem Marmeladenglas mit 400 Millilitern sind das gut fünf Tage.
Aus einer 1,5-Liter-Flasche werden 20 Tage, aus einem Fünf-Liter-Kanister für drei Kegel gemeinsam rund 22 Tage.
Die Zahl ist eine Obergrenze, kein Versprechen: Der Kegel gibt nur ab, wenn die Erde trocken ist. In einer kühlen Wohnung im Winter reicht dasselbe Glas doppelt so lange, im heißen Zimmer im August deutlich kürzer.
Praktisch heißt das: Drei Wochen Urlaub sind machbar, aber nur mit einem Gefäß in Kanistergröße. Ein hübsches kleines Glas neben dem Topf ist nach einer Woche leer.
Warum der Tank hoch stehen muss
Die Rechnung mit dem Gefälle
Der Hersteller verlangt für die Tropf-Baureihe rund einen halben Meter Höhenunterschied auf fünf Meter Leitungslänge. Das sind zehn Prozent Gefälle.
Ein halber Meter Wassersäule entspricht ungefähr fünfzig Millibar. Eine Hausleitung steht bei drei Bar, also beim Sechzigfachen.
Mit diesem winzigen Druck arbeitet das System, und genau deshalb ist jede Gegensteigung im Schlauch ein Problem, jede Schlaufe über einen Balkonkasten ein Widerstand, den es nicht überwindet.
Praktisch heißt das: Der Tank gehört auf einen Hocker oder eine Bank, nicht auf den Boden, und der Schlauch muss vom Tank aus durchgehend fallen. Wer das ignoriert, findet nach dem Urlaub eine trockene Reihe hinter der höchsten Stelle.
Ab wann sich das Schlauchsystem rechnet
Die Rechnung mit dem Nachfüllen
Zwölf Pflanzen brauchen bei je 75 Millilitern rund 0,9 Liter am Tag.
Mit der Classic-Lösung stehen dafür zwölf Gefäße herum. Bei einem Liter je Gefäß ist alle 13 Tage zwölfmal nachzufüllen.
Mit einem 30-Liter-Tank läuft dieselbe Menge 33 Tage, und es ist ein einziger Handgriff.
Praktisch heißt das: Bis etwa sechs Töpfe gewinnt die einfache Lösung, weil der Aufwand mit der Anzahl nur langsam wächst. Ab etwa zehn Töpfen kippt es, weil zehn Gefäße nicht nur zehnmal Arbeit sind, sondern auch zehnmal im Weg stehen.
Wofür welches System reicht
Wer statt eines Systems lieber selbst gießt und nur die Kanne verbessern will, findet die Bauformen bei den Gießkannen. Für den Balkon mit Kästen statt Töpfen gibt es die eigene Übersicht zu Bewässerungssystemen für Balkone.
Wo jedes von beiden gewinnt
Für Classic spricht
- Aufbau in rund einer Viertelstunde
- Jedes Gefäß taugt als Reservoir
- Kein Schlauch, kein Höhenversatz
- Jede Pflanze bleibt unabhängig
- Bezifferte Abgabemenge je Kegel
Für Tropf-Blumat spricht
- Bis zwölf Pflanzen an einer Quelle
- Regelknopf für jeden Tropfer einzeln
- Rund sieben Meter Schlauch im Set
- Modular erweiterbar statt setweise
- Keramik aus österreichischer Fertigung
Beide Baureihen teilen dieselbe Schwachstelle: Der Tonkegel muss vor dem ersten Einsatz vollständig mit Wasser gefüllt und blasenfrei verschlossen werden. Bleibt Luft im Kegel, reißt der Wasserfaden ab und das System steht, ohne dass es von außen zu sehen wäre. Wer sichergehen will, prüft nach zwei Tagen mit einem Feuchtigkeitsmesser, ob unten tatsächlich Wasser ankommt.



