Romberg Thermo M oder 74338: beheiztes oder unbeheiztes Zimmergewächshaus

Zwei Zimmergewächshäuser desselben Herstellers, fast gleich groß, beide mit lüftbarer Haube über einer wasserdichten Schale. Der einzige echte Unterschied liegt unter dem Boden: Das eine hat eine Heizmatte eingebaut, das andere nicht. Daran hängt, welche Samen im Februar überhaupt keimen und welche im Mai auch ohne Strom auflaufen.
Wer noch sortiert, welche Bauform auf die eigene Fensterbank passt, findet den Überblick bei den Anzuchtstationen. Hier stehen die beiden Romberg-Modelle mit ihren Datenblättern nebeneinander.
- Beheizt lohnt sich für Warmkeimer wie Chili, Paprika, Tomate und Aubergine, die unter zweiundzwanzig Grad kaum oder sehr langsam keimen
- Unbeheizt reicht für alles, was ab Mai gesät wird, und für Kaltkeimer, denen Wärme sogar schadet
- Die Heizung läuft ohne Thermostat durch, im warmen Wohnzimmer kann sie deshalb zu viel des Guten sein
Die zwei Kandidaten
Romberg Thermo M
Mit integrierter Heizmatte
Romberg 74338
Ohne Strom
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Thermo M | 74338 |
|---|---|---|
| Heizung | 17,5 W integriert | keine |
| Temperatur im Substrat | laut Hersteller 22 bis 25 °C | Raumtemperatur |
| Thermostat | keine Angabe | entfällt |
| Maße | 38 × 24 × 19 cm | 38 × 25 × 19 cm |
| Schalenboden | mit Rinnen für Wasser und Wärme | glatte, wasserdichte Wanne |
| Haube | bruchsicher, mit Lüftungsschiebern | glasklar, belüftbar |
| Farbe der Schale | anthrazit | klar |
| Material | lebensmittelecht, 100 % recycelbar | keine Angabe |
| Fertigung | Deutschland | keine Angabe |
| Gewicht | keine Angabe | rund 200 g |
| Steckdose nötig | ja | nein |
| Modell | 12094303 | 74338 |
Werte nach den Angaben von Romberg zu beiden Modellen. Das Gewicht stammt aus der Versandangabe des Handels und ist gerundet. Ein Thermostat ist bei keinem der beiden Geräte angegeben; bei der unbeheizten Wanne gibt es nichts zu regeln, deshalb steht dort kein Nachteil. Die hervorgehobene Zelle ist der bessere Wert, nicht automatisch der wichtigere. Eine fehlende Angabe zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Was 17,5 Watt unter einer Haube ausrichten
Die Rechnung mit der Wärmebilanz
Die Haube misst 38 mal 24 Zentimeter Grundfläche bei 19 Zentimetern Höhe. Über Deckel und vier Seiten sind das rund 0,24 Quadratmeter Außenfläche.
Für eine dünne Kunststoffhaube lässt sich der Wärmedurchgang grob mit fünf Watt je Quadratmeter und Kelvin ansetzen. Daraus folgen rund 1,2 Watt Verlust je Grad Temperaturunterschied.
17,5 Watt geteilt durch 1,2 ergäben rechnerisch vierzehn Grad über Raumtemperatur. Weil die Schieber offen stehen, Feuchtigkeit verdunstet und die Schale nach unten abgibt, bleibt davon deutlich weniger übrig, und der Hersteller nennt am Ende 22 bis 25 Grad.
Praktisch heißt das: Die Matte hebt die Temperatur um wenige Grad, sie heizt keinen kalten Wintergarten. Bei achtzehn Grad im Raum landet man im Zielbereich, bei zwölf Grad im unbeheizten Schlafzimmer nicht.
Warum sechs Grad über die Keimdauer entscheiden
Die Rechnung mit der Reaktionsgeschwindigkeit
Biologische Prozesse laufen bei zehn Grad mehr grob doppelt so schnell ab. Diese Faustregel gilt auch für die Keimung, solange die Art überhaupt in ihrem Temperaturfenster liegt.
Eine Fensterbank im Februar liegt tagsüber bei etwa achtzehn Grad, nachts oft darunter. Mit Matte sind es rund vierundzwanzig, also sechs Grad mehr.
Sechs von zehn Grad bedeuten nach dieser Regel den Faktor 2 hoch 0,6, also rund das Anderthalbfache an Tempo. Aus zwölf Tagen Keimdauer werden acht.
Praktisch heißt das: Bei Warmkeimern wie Chili und Paprika geht es nicht um ein paar Tage Vorsprung. Unterhalb von etwa achtzehn Grad keimen sie oft gar nicht mehr, und dann ist die Matte keine Beschleunigung, sondern die Bedingung.
Was der Dauerbetrieb kostet und wo er schadet
Die Rechnung mit den acht Wochen
Die Heizung ist ohne Thermostat angegeben, sie läuft also, solange der Stecker steckt. Eine Anzuchtsaison von der Aussaat bis zum Auspflanzen dauert rund acht Wochen.
17,5 Watt über 24 Stunden an 56 Tagen ergeben rund 23,5 Kilowattstunden. Das ist die Größenordnung, die ein sparsamer Kühlschrank in zwei Monaten braucht.
Wichtiger ist die andere Richtung: Steht das Haus in einem Wohnzimmer mit vierundzwanzig Grad, liegt das Substrat bei knapp dreißig. Das ist über dem Optimum fast aller Gemüsearten, und die Keimlinge strecken sich, statt kräftig zu werden.
Praktisch heißt das: Die Matte gehört an eine Zeitschaltuhr oder nach dem Auflaufen der Sämlinge abgeschaltet. Wärme braucht der Samen, nicht die Jungpflanze.
Wofür welches Haus reicht
Nach der Keimung kippt der Engpass von der Wärme zum Licht: Sämlinge auf der Fensterbank im Februar bekommen zu wenig davon und strecken sich. Welche Leistung dagegen reicht, steht im Vergleich der beiden SANSI-Pflanzenlampen.
Wo jedes von beiden gewinnt
Für das beheizte spricht
- Warmkeimer laufen überhaupt erst auf
- Rinnenboden verteilt Wärme und Wasser
- Bruchsichere Haube mit Lüftungsschiebern
- Recycelbarer Kunststoff, Fertigung in Deutschland
- Funktioniert auch im kühlen Raum
Für das unbeheizte spricht
- Kein Strom, kein Kabel, kein Standortzwang
- Rund 200 Gramm, leicht umzustellen
- Glasklare Wanne, Wurzeln bleiben sichtbar
- Keine Überhitzung im warmen Wohnraum
- Mehrere Schalen problemlos nebeneinander
Beide teilen dieselbe Schwäche, und sie hat nichts mit der Heizung zu tun: Unter geschlossener Haube steht die Luft. Wer nicht täglich lüftet, züchtet Schimmel auf dem Substrat und riskiert die Umfallkrankheit, bei der Keimlinge über Nacht am Wurzelhals abknicken. Die Schieber gehören ab dem Auflaufen der ersten Sämlinge geöffnet, und spätestens beim zweiten Blattpaar kommt die Haube ganz herunter.
Wenn keines von beiden passt
Häufige Fragen zur Anzucht im Zimmergewächshaus
Wie warm sollte das Substrat wirklich sein?
Für die meisten Gemüsearten liegt das Optimum zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Grad, für Chili, Paprika und Aubergine eher am oberen Ende. Kohl, Salat und Spinat kommen mit fünfzehn bis achtzehn Grad besser zurecht und keimen bei dreißig Grad schlechter. Entscheidend ist die Temperatur in der Erde, nicht die auf dem Raumthermometer.Wann muss die Haube ab?
Sobald die ersten Keimlinge sichtbar sind, werden die Schieber geöffnet. Nach dem zweiten echten Blattpaar kommt die Haube ganz herunter, sonst bleibt die Luftfeuchte zu hoch und die Sämlinge werden weich. Die Haube schützt den Samen, nicht die Pflanze.Warum kippen die Keimlinge über Nacht um?
Das ist meist die Umfallkrankheit, ein Pilzbefall am Wurzelhals, begünstigt von Staunässe, stehender Luft und zu warmem, zu feuchtem Substrat. Gegenmittel sind keimarme Anzuchterde, sparsames Gießen von unten und tägliches Lüften. Eine durchlaufende Heizmatte verschärft das Problem eher, als dass sie hilft.Kann man die Heizmatte auch nachrüsten?
Ja, separate Wärmematten gibt es in passenden Größen, viele davon mit Thermostat, und sie lassen sich unter jede wasserdichte Schale legen. Wichtig ist nur, dass zwischen Matte und Schale keine isolierende Schicht liegt, sonst wärmt sie den Tisch statt die Erde.Welche Erde gehört in die Schale?
Anzuchterde, nicht Blumenerde. Sie ist nährstoffarm, damit die Wurzeln in die Tiefe wachsen, statt sich am Angebot zu bedienen, und feiner strukturiert, damit kleine Samen Bodenkontakt bekommen. Grundlagen dazu stehen im Ratgeber zur erfolgreichen Pflanzenzucht.Die Entscheidung in einem Satz
Romberg Zimmergewächshaus Thermo M beheiztes Mini Gewächshaus 38 x 24 x 19 cm
Wer im Januar oder Februar mit Chili, Paprika und Tomate anfängt, kommt an der beheizten Ausführung nicht vorbei, weil es dort nicht um schnellere Keimung geht, sondern darum, ob überhaupt etwas keimt. Wer erst ab April sät oder ohnehin Kühlkeimer zieht, kauft mit der Heizung eine Funktion, die er anschließend abschalten muss, und ist mit der schlichten Wanne besser bedient. Der ehrliche Kompromiss für beide Fälle ist die unbeheizte Schale plus eine separate Matte mit Thermostat.


